FREUNDESKREIS STADTMUSEUM DARMSTADT E.V.

ALTSTADTMUSEUM HINKELSTURM

*** geöffnet von April - Oktober, samstags und sonntags von 14 - 16 Uhr ***

          1. Stadtgründung

          2. Die Nebenresidenz

          3. Die Alte Vorstadt

          4. Die Neue Vorstadt

          5. Die Mollerstadt

          6. Die Gründerzeit

          7. Das 20. Jahrhundert

      ©Freundeskreis Stadtmuseum, 2004

 

Die Sportgalerie im denkmalgeschützten Kommandoturm am Woog

Der neue Kommandoturm und der neue Sprungturm nach dem Umbau 1936/37

Der neue Kommandoturm mit DLRG-Aufenthaltsraum und Lautsprecheranlage nach dem Umbau 1936/37

Der Kommandoturm nach seiner Umwandlung  in die Sportgalerie  durch die Schüler der Darmstädter Mornewegschule im Jahre 2000

Der Kommandoturm von Norden

Die Auszeichnung mit dem  Hessischen Denkmalschutzpreis 2001

Von außen informieren Schautafeln die Besucher

Im Inneren präsentieren die Schüler ihre Arbeiten

Bis 2010 hatte die Stadt dem Verein den alten Kommandoturm am Woog überlassen. Die  Räumlichkeiten wurden allerdings in der Folgezeit wieder von der Stadt benötigt. Wir haben diese Institution deshalb nicht  weiterführen können.

Die Sportgalerie befand sich in einem 1936/37 für die Wettkampfanlagen am Woogsdamm an der Beckstraße erbauten ehemaligen Kommandoturm. Sie war seit 1994 Teil des Freundeskreises Stadtmuseum. Dessen Fernziel, ein Stadtmuseum einzurichten, wird schrittweise auch durch die Nutzung einiger kleinerer denkmalgeschützter Gebäude erreicht, die sonst verfallen würden. Leider war der Turm als solcher nur eingeschränkt zu erleben, da nur der von der Straße zugängliche Teil des Turmes als Sportgalerie genutzt werden konnte. Das Kellergeschoss und das halbe Mittelgeschoss waren baulich abgetrennt und gehörten zu einem benachbarten Verein. Zunächst fanden einige kleinere Ausstellungen zur Darmstädter Sportgeschichte statt. Im Jahr 2000 wurde der Turm von einer Schulklasse der Darmstädter Mornewegschule renoviert und eine Ausstellung mit im Kunstunterricht geschaffener Werke zum Thema Sport bestückt. In unregelmäßigen Abständen wurden hier immer wieder Schülerarbeiten im Rahmen kleiner Ausstellungen gezeigt. 

Die Sportgalerie hatte ihr Vorbild in den Kinder- und Jugendmuseen. Hier waren zwar weniger Ausstellungsstücke zum Anfassen und Begreifen vorhanden, das Herstellen von Ausstellungsstücken, das Einrichten einer Ausstellung und das immer wieder notwendige Renovieren des Gebäudes ersetzten aber diese fehlenden Exponate. 

 

Kinder- und Jugendmuseen als Vorbild für die Sportgalerie[1]  

Die ersten Jugendmuseen entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA und waren Ausdruck einer Reformpädagogik vom Kinde aus.[2] Im Unterschied zu den herkömmlichen Museen, die überwiegend kognitiv ausgerichtet sind, sprechen die Jugendmuseen alle Sinne an. Deren pädagogischer Ansatz basiert auf Anschauung - nach Pestalozzi das Fundament der Erkenntnis - und Selbständigkeit. Das Jugendmuseum ist keine Schausammlung, sondern Werkstatt und Atelier, wo experimentiert und Erfahrung gesammelt werden kann.[3] Die klassischen Aufgaben des Museums[4] treten zugunsten des Lernens in den Hintergrund. Es geht nicht um die Exponate selbst, sondern um das selbständige Lernen an ihnen und die praktische Erfahrbarkeit. Entsprechend sind die Objekte immer in Handlungen einzubeziehen und anzufassen, denn „Kinder `denken` mit den Händen“.[5] Erst durch das Anfassen finden ein Begreifen und dadurch ein Ergriffensein (Motivation) statt. Über aktives Experimentieren, Untersuchen und Entdecken kann das Erkannte in eigenes Gestalten umgesetzt werden: „Learning by doing“, bei Fröbel noch „aktive Tatanschauung“ genannt.[6] Von den Bedürfnissen und Anliegen der Lernenden und ihrer Bildung ausgehend, sind Spielraum und Lernraum bewusst eng verbunden. So können sie sich durch die eigene geistige und praktische Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung, dem Material und den eigenen Fähigkeiten selbständig befassen. Dadurch werden alle Sinne gleichmäßig angesprochen, so dass sich die ganze Person einbringen kann.[7] Ausgangspunkt ist die Gegenwart als vertraute Umwelt. Als Bildungs-– und Freizeitstätte zugleich dient das Jugendmuseum als „Kommunikationsort, als Experimentierwerkstatt, als Medium und Ideenmarkt“.[8] Das – auch multikulturelle - Miteinander wird gefördert, denn die meisten Aktivitäten verzahnen sich untereinander, so dass Kooperation notwendig ist. Besondere Fähigkeiten Einzelner können für die Gruppe eingesetzt werden.[9] Ziele, Inhalte und Programme der Jugendmuseen, die im Folgenden genannt werden, sollten flexibel sein, um Aktualität und Mitgestaltung zu erreichen: Allgemein sollen die Schulen unterstützt werden. Das Lernen mit Gleichgesinnten, problemlösendes, kreatives Handeln und Denken, Kooperationsbereitschaft, Verantwortungsübernahme und Führungsqualitäten werden gefördert. Das Verständnis für die Umwelt, die soziale Mitwelt, die (eigene und fremde) Kultur, Kunst, Handwerk, Technik und Wissenschaft wird geschult. So lassen sich individuelle Talente und Interessen auch für spätere Berufe entwickeln, passiver Konsumhaltung und Jugendkriminalität kann entgegengearbeitet werden.[10]  

Die weite Definition von Jugendmuseen im Vergleich zu „klassischen“ Museen zeigt z.B. das ehemalige Frankfurter Werkstattmuseum, das 1990 mit dem Projekt einer „Mitmach – Baustelle“ eröffnet wurde.[11] In einer Werkshalle waren Ausstellungsobjekte im weitesten Sinne die Baumaterialien. Rumpf spricht von einer „hinreißend imperfekten, undidaktischen und lebendigen Baustelle“.[12] An in Anforderung und Material verschiedenen Stationen konnte in Gruppen oder alleine gearbeitet werden. Bei Bedarf standen Ansprechpartner zur Verfügung. Da Lern- und Freizeitorte nicht getrennt waren, konnte häufig zwischen Orientierungs- Experimentier- und Arbeitsphasen gewechselt oder sich zurückgezogen werden. Verplancke bezeichnet dies als „oszillierendes Gleichgewicht“, das zeigt, dass Kinder und Jugendliche in offenen Angeboten selbständig Schwerpunkte setzen können.[13] Durch den Aufbau der Stationen als „offenes Erfahrungsangebot“ mit eigener Raum- und Zeiteinteilung konnten unterschiedliche Bedürfnisse ausgelebt und bestimmte Bereiche gezielt ausgesucht werden. Diese „selbstbestimmte Auswahl aus einer offenen Angebotsstruktur“ sollte nach Verplancke Ziel einer noch ausstehenden Ausstellungsdidaktik für Jugendmuseen sein.[14]

(Jörg Harbrecht) 

 

Literatur

Buchczik, Marie – Luise; Sinclair, Dianne, Kaleidoskop, Das Werkstattmuseum für Kinder in Frankfurt am Main (Studien zur Sozialarbeit und Sozialpolitik B. 33), Frankfurt 1991 

Buchczik, Marie – Luise; Sinclair, Dianne, Kaleidoskop, Werkstattmuseum für Kinder in Frankfurt am Main, in: Dagmar von Kathen (Hrsg.), Initiative Kinder- und Jugendmuseum, a. a. O., S. 96 - 98

Kolb, Peter Leo, Das Kindermuseum in den USA: Tatsachen, Deutungen u. Vermittlungsmethoden, Ein Beitrag zur vergleichenden Museumspädagogik, Frankfurt 1983

Rumpf, Horst, Dieses Brausen in der Halle, Eindrücke im Frankfurter Ostend, in: Marie – Luise Buchczik; Dianne Sinclair, Kaleidoskop, a. a. O., Frankfurt 1991, S. 23 - 26 

Staudte (Sievert), Adelheid, Lebendiges Lernen im Museum, in: Wolfgang Beeh; Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Hrsg.), MuseuMuseum, a. a. O., S. 21 – 28 

Staudte (Sievert), Adelheid, Werkstatt, Atelier, Erfahrungsraum, Was ein Kindermuseum mit einem Museum zu tun hat, in: Marie – Luise Buchczik; Dianne Sinclair, Kaleidoskop, a. a. O., Frankfurt 1991, S. 13 - 16

Verplancke, Philip, Bauhelm auf und los!, Ein Besuch auf der Mitmach – Baustelle, in: Marie – Luise Buchczik; Dianne Sinclair, Kaleidoskop, a. a. O., Frankfurt 1991, S. 27 – 34

Verplancke, Philip, Die Ausstellung als offener Erfahrungsraum. Bausteine einer Ausstellungsdidaktik eigenständiger Kinder- und Jugendmuseen, in: Dagmar von Kathen; Wolfgang Zacharias (Hrsg.), Initiative Kinder- und Jugendmuseum, a. a. O., S. 59 - 62

Zacharias, Wolfgang, Initiative Kindermuseum, ein neuer Kulturort im Trend der Zeit?, in: Kunst und Unterricht Heft 181, Seelze 1994, S. 12-13

Zacharias, Wolfgang, Suchen, spielen, forschen, experimentieren, Lernen im Kinder- und Jugendmuseum, in: Ilka Gropengießer (Hrsg.), Schule, a. a. O., S. 110 – 112



[1] Nach Kolb, Kindermuseum, S. 27f, auch Familienmuseum. Die Begriffe sind mehr eine Abgrenzung zu herkömmlichen Museen, als eindeutige Definitionen. Im folgenden „Jugendmuseum“ genannt.

[2] Zacharias, Suchen, S. 110.

[3] Zacharias, Initiative, S. 12; Kolb, Kindermuseum, S. 27ff.

[4] Diese sind: sammeln, bewahren, forschen und präsentieren.

[5] Staudte, Werkstatt, S. 15; Zacharias, Initiative, S. 12.

[6] Kolb, Kindermuseen, S. 80ff.

[7] Staudte, Werkstatt, S. 15f; Staudte, Lernen, S. 25ff; Kolb, Kindermuseum, S. 86.

[8] Kolb, Kindermuseum, S. 24.

[9] Staudte, Werkstatt, S. 14ff; Staudte, Lernen, S. 25ff; Kolb, Kindermuseum, S. 27f; Zacharias, Initiative, S. 13.

[10] Kolb, Kindermuseum, S. 70ff, 76, Buchczik, Kaleidoskop, S. 98. Vgl. Didaktik (4.1).

[11] Inzwischen ist die Werkshalle aus finanziellen Gründen leider wieder geschlossen worden, der Verein bietet aber ähnliche Projekte an (Zacharias, Suchen, S. 111). 

[12] Rumpf, Brausen, S. 26. Rumpf definiert Museum sehr weit als „Ort der Erfahrungen“ und schließt damit auch das Frankfurter Werkstattmuseum ein.

[13] Verplancke, Bauhelm, S. 28ff.

[14] Verplancke, Ausstellung, S. 59ff. Vgl. Methodik (4.2).

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