FREUNDESKREIS STADTMUSEUM DARMSTADT E.V.

ALTSTADTMUSEUM HINKELSTURM

*** geöffnet von April - Oktober, samstags und sonntags von 14 - 16 Uhr ***

          1. Stadtgründung

          2. Die Nebenresidenz

          3. Die Alte Vorstadt

          4. Die Neue Vorstadt

          5. Die Mollerstadt

          6. Die Gründerzeit

          7. Das 20. Jahrhundert

      ©Freundeskreis Stadtmuseum, 2004

 

Die Geschichte der Darmstädter Altstadt-

2. Darmstadt als Nebenresidenz

Auszug aus der Examensarbeit von Jörg Harbrecht 'Denkmalpflege und Geschichts-unterricht am Beispiel der Darmstädter Altstadt', erarbeitet 1998 an der Johann Wolfgang Goethe - Universität in Frankfurt am Main

Soweit nicht anders angegeben, handelt es sich um eigene Aufnahmen

Bild 12

Der Altstadtbereich ohne die Alte Vorstadt heute und 1939 in einem Kartenbild. Farblich ist die Mauer von 1330 nachgezeichnet (Ausschnitt aus: Häussler, Darmstadts Stadtmitte).

Bild 13

Die ab 1330 ummauerte Altstadt mit dem Schloss (Battenberg, Anfänge, S. 113).

Bild 14

Die Altstadt mit der Alten Vorstadt, Stationen der Exkursion. 1: Museum Hinkelsturm mit Stadtmauer, 2: Insel und Niebergallbrunnen, 3: Friedhof, 4: Pädagog, 5: Stadtkirche, 6: Weißer Turm, 7: Schloss, 8: Marktplatz und Rathaus, 9: Gasthaus zur Goldenen Krone, 10: Stadtmauerfragmente Erich-Ollenhauer-Promenade, 11: Alte Vorstadt mit Schweifgiebelhäusern, 12: Vorstadtmauer und Jägertor, 12a: Dreibrunnenleitung, 13: Rundeturmstraße (nach Häussler, Darmstadts Stadtmitte).

Bild 15

Das Relief, das die Altstadt um 1850 zeigt, ist nördlich des Hinkelstums in das Straßenpflaster eingelassen. Rot markiert ist der Ausschnitt des im Hinkelsturm befindlichen Modells (Häussler, Relief, S. 22)

 

Darmstadt als Nebenresidenz

Heinrichs Sohn Wilhelm III. sicherte 1489 Darmstadt den bisherigen Rechts- und Besitzstand zu, verstarb aber bereits im Jahr 1500. Seine Witwe, Pfalzgräfin Elisabeth, sollte zunächst die Regierung in Darmstadt übernehmen. Der schlechte Zustand des Schlosses und die erneute Heirat der Witwe verhinderten dies aber. Wilhelm II. von Kassel trat das Erbe seines Vetters an, so dass Darmstadt weiter im politischen Abseits verharrte. Als dieser 1509 starb, übernahm seine Witwe Anna von Mecklenburg die Vormundschaftsregierung für den Sohn Philipp. Um 1512 wurden dann Instandsetzungsarbeiten am Schloss durchgeführt.[1]

 

Für den Zeitraum um 1517 schätzt Battenberg den Häuserbestand Darmstadts auf 225. Die Stadt war damit vergleichsweise dünn besiedelt, innerhalb des Mauerrings lagen noch zahlreiche Freiflächen.[2]

 

Der Regierungsantritt des vierzehnjährigen Philipp (später: der Großmütige) im Jahr 1518 rückte Darmstadt wieder ins politische Geschehen. Franz von Sickingen, der als Reichsritterführer einen weiteren Ausbau der fürstlichen Territorialherrschaft verhindern wollte, griff noch 1518 die Landgrafschaft Hessen und damit Darmstadt an. Konnte die Darmstädter Mauer bereits im 15. Jahrhundert nicht mehr genügend Schutz bieten, so zeigte der schnelle Durchbruch, wie veraltet sie war. Bei diesem Angriff ist auch die gerade instand gesetzte Burg wieder schwer beschädigt worden. Ihr Wiederaufbau begann im folgenden Jahr.[3]

 

Weitere Baumaßnahmen des Hofes in der Stadt blieben auf Wiederherstellung der durch den Angriff erfolgten Zerstörungen beschränkt. So erhielt der Turm der Stadtkirche einen neuen steilen Turmhelm mit vier Ecktürmchen (Bilder 40, 44).[4] Unter der Regierung Philipps wurden an der Verteidigungsanlage keine wesentlichen Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt.[5]

 

Der Bauernkrieg von 1525 hat Darmstadt kaum berührt. Durch politische Klärungen konnte die landesfürstliche Macht gefestigt werden.

 

Im Jahr 1526 nahm Landgraf Philipp den protestantischen Glauben an. Darmstadt war Ort zahlreicher diplomatischer Verhandlungen.[6]

 

1546 führten militärische Auseinandersetzungen zwischen katholischen und protestantischen Landständen zum schmalkaldischen Krieg. Landgraf Philipp wurde durch Kaiser Karl V. geächtet, Darmstadt 1547 belagert und erstürmt. Trotz Vorbereitungen hielt die Mauer auch diesem Angriff nicht lange stand. Ihr geringer Verteidigungswert ließ den Kaiser sogar auf deren Abbruch verzichten. Nach der Eroberung der Stadt brannten alle in Fachwerk errichteten Gebäude der Burg nieder. Landgraf Philipp ist für fünf Jahre gefangen gesetzt worden, die Obergrafschaft stand damit unter kaiserlicher Verwaltung. Hohe Kriegsforderungen[7] waren für die länger andauernde schlechte Wirtschaftslage Darmstadts verantwortlich. Nach der Befreiung Philipps ist das Schloss von 1553 bis 1564 aufgebaut worden, dabei fand mehr Stein anstelle des Fachwerkes Verwendung.[8]

 

Von 1566 bis 1569 ist auf der Südseite des Marktplatzes für 1400 Gulden[9] ein neues Rathaus (Bild 44) erbaut worden, das das gegenüberliegende Rat- und Spielhaus ersetzte. Auftraggeber war der landgräfliche Schultheiß, nicht etwa der Rat der Stadt. Daraus schließt Battenberg auf ein großes Interesse der landgräflichen Verwaltung an der Entwicklung von Stadt und städtischer Gemeindeverwaltung. [10]

 

Die größere Autonomie der Stadt machte sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch einen stärkeren Einfluss auf das landgräfliche Schultheißenamt bemerkbar. Allgemein verstärkten die Städte den Einfluss auf dieses Amt hinsichtlich Besetzungsrecht und Amtsübernahme.[11] 

 

Da der Schultheiß sowohl Vertrauter des Grafen als auch der Gemeinde war, bestanden Interessenskonflikte. Der Stadtrat unter Landgraf Philipp war nämlich mit dem Schöffengericht identisch, bei dem der Schultheiß den Vorsitz hatte. Diese Situation führte zur allmählichen Zurückdrängung des Schultheißen aus der Spitze der städtischen Verwaltung und zur Beschränkung auf den Gerichtsvorsitz. Die Bürgermeister übernahmen vom Schultheißen die politische Leitung im Stadtrat, die Aufgaben in der Stadtverwaltung und in der städtischen Gerichtsbarkeit. Sie standen dem städtischen Haushalt vor, waren aber auch in diplomatischer Funktion unterwegs.[12]

 

Im Jahre 1567, nach dem Tode Landgraf Philipps, wurde die Landgrafschaft Hessen unter seinen Söhnen in die Bezirke Kassel, Marburg, Rheinfels und Darmstadt aufgeteilt. Hessen-Darmstadt war damit unter Georg I. (1567 - 1596) selbständige Landgrafschaft mit der Landeshauptstadt Darmstadt. Da Georg mit 20 Jahren noch minderjährig war, verwaltete zunächst sein Bruder, Ludwig IV., der die Landgrafschaft Marburg erhalten hatte, Hessen-Darmstadt.[13]

 

Ludwig IV. legte in seinem kurzen Interim einen Schwerpunkt auf die Stadtentwicklung. So wurden das unter Philipp begonnene neue Rathaus und die Aufbauarbeiten am Schloss vollendet. Außerdem erließ Ludwig eine Handwerks- und Gewerbeordnung.[14]



[1]        Battenberg, Anfänge, S. 48ff; Zimmermann, Schloß, S. 18.

[2]        Battenberg, Anfänge, S. 60.

[3]        Battenberg, Anfänge, S. 50ff.

[4]        Battenberg, Anfänge, S. 62.

[5]        Battenberg, Anfänge, S. 60; Fries, Stadtbefestigung, S. 36.

[6]        Battenberg, Anfänge, S. 52f.

[7]        Die Brandschatzung betrug nach Battenberg, Anfänge, S. 55, 7000 Gulden.

[8]        Battenberg, Anfänge, S. 55ff; Herbig, Mittelalter, S. 33.

[9]        Um 1580 erhielt ein Gassenwächter ein Jahresgehalt von 8, ein hoher Beamter etwa 100 Gulden (Battenberg, Anfänge, S. 76, 112).

[10]       Battenberg, Anfänge, S. 63.

[11]       Battenberg, Anfänge, S. 42f; Isenmann, Spätmittelalter, S. 116.

[12]       Battenberg, Anfänge, S. 44, 65ff; Isenmann, Spätmittelalter, S. 75f, 116f, 133ff. Neben den Bürgermeistern gehörten zur städtischen Führungsspitze in Darmstadt zwei Rechenmeister, ein Stadtschreiber, ein Waldförster, acht Letzmeister und mehrere Brunnenmeister. 1566 wurden das Amt des Marktmeisters und das des Mehlwiegers eingeführt. Daneben ist der Glöckner zu nennen. Die meisten Ämter waren gleichgestellt und wurden jährlich neu vergeben .

[13]       Battenberg, Anfänge, S. 57.

[14]       Battenberg, Anfänge, S. 63f.

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